Empathie

Wodurch können wir andere Menschen verstehen, mit ihnen fühlen und sie hilfreich unterstützen?

Das Verständnis für andere Menschen (Empathie, Mitgefühl) beruht auf mehreren Mechanismen. Einer davon ist die Fähigkeit, die Sichtweise (Perspektive) anderer Personen zu übernehmen (kognitive Empathie, Theory of Mind). Siehe dazu das Kapitel zur „Perspektivenübernahme“. Eine andere, biologisch ältere Funktion ermöglicht eine Gefühls-Spiegelung (Mitgefühl im engeren Sinn, emotionale Empathie). Im sozialen Miteinander hilft Empathie nicht nur den jeweils anderen Menschen, sondern im Gegenzug auch jedem Einzelnen. Insofern unterstützt Empathie Kooperation und dient somit nicht zuletzt auch der Erreichung eigener Ziele. Die sozialen Fähigkeiten unseres Gehirns sind insgesamt Errungenschaften der menschlichen Evolution (siehe Kapitel „Was kann der Mensch erkennen“).

Wie ermöglicht unser Gehirn Empathie? Kann man Empathie lernen und welchen Nutzen stiftet Empathie?

Eine wichtige Fähigkeit besteht darin, das Verhalten anderer Menschen bis zu einem gewissen Grad automatisch innerlich nachahmen zu können.

Du willst etwas von mir

Bedeutsame und Ich-nahe soziale Funktionen beruhen auf den Fähigkeiten zur absichtsvollen Kontaktaufnahme und zur Verwendung von Sprache. Die der Sprachverwendung zugrundeliegenden Funktionen wurden im Kapitel Sprechen und Verstehen erklärt. Zu den am Lesen und Sprechen beteiligten Hirnmechanismen finden Sie ein Video im Kapitel über die Großhirnrinde.

Evolutionstheoretisch wesentich älter ist die Fähigkeit, auf Bewegungen und Gesten von anderen zu reagieren. Darüber erfahren Sie mehr im 1. Video des Kapitels Was kann der Mensch erkennen. Sehen Sie hier in einem weiteren Video, wie das Gehirn (Area 10) auf körperliche Zuwendung anspricht. Es handelt sich um den Mitschnitt aus einer alten Vorlesung (mit entsprechenden Mängeln).

Warum ausgerechnet die Area 10 des Stirnhirns bei der Deutung sozialer Signale so wichtig ist, erfahren Sie in einem Video im Kapitel über das Selbst.

Manche Emotionsforscher setzen voraus, dass die Fähigkeit zur emotionalen Empathie nur dann vorhanden ist, wenn es beim Beobachter direkte Verknüpfungsstellen zwischen den wahrnehmenden Gehirnteilen und der Steuerung eigener körperlicher körperlichen Reaktionen gibt (somatische Marker). Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Lenkung der Aufmerksamkeit auf Signale von Mitmenschen und die Befolgung moralischer Postulate weitgehend erlernt ist.

Spiegeln

Gesten oder Lautäußerungen werden verstanden, weil sogenannte Spiegelzellen im eigenen Körper analoge Impulse zu den entsprechenden Gesten oder Lautäußerungen veranlassen, auch ohne offene Nachahmung. Auf diese Weise kann der innere Zustand, der die beobachteten Gesten oder Lautäußerungen veranlasste, direkt nachempfunden werden. Es gibt einen Befund, dass die eigene Mimik (zum Beispiel wenn das Gesicht entspannt ist) imstande ist, unbewusst das eigene Befinden zu beeinflussen (sodass dadurch die Stimmung aufgehellt wird). Ähnliches dürfte auch bei der Beobachtung einer positiv oder negativ aufgeregten Person geschehen (emotionale Empathie). Die Beobachtung von Anspannung, Aggressionen oder Leid führt oft unwillkürlich zur Übernahme dieser Emotion (Emotionsübertragung).

Sehen Sie hier ein Video über die Gehirnteile (im sogenannten Orbiofrontalen Cortex), die für emotionales Reagieren in sozialen Situationen bedeutsam sind. Es handelt sich um den Mitschnitt aus einer alten Vorlesung (mit entsprechenden Mängeln).

Moralisches Denken

Moral besteht aus Regeln, die für alle Beteiligten ein zufriedenstellendes Sozialverhalten darstellen. Moral ist keineswegs eine Erfindung von Philosophen. Vielmehr gibt es in den Netzwerken des Gehirns beim Nachdenken über soziale Situationen stets einen Selbstbezug, der Alarm schlägt, wenn anderen Menschen Schaden zugefügt wird (s. Forschungsliteratur). Freilich kann dieser Mechanismus auch verkümmern oder außer Kraft gesetzt werden. Oder es kann zu falschem Alarm kommen, wenn man selbst sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat. Der Selbstbezug entsteht auf der Grundlage von sogenannten somatischen Markern.

Die Marker erinnern uns beim Anblick von menschlichem Leid daran, was wir spüren würden, wenn uns das Beobachtete selbst widerfahren würde. Man kann jedoch auf der Grundlage der angeborenen Mechanismen auch lernen, vorsorglich Schäden für andere – und damit im Zweifel auch für sich selbst – zu verhindern.

Empathie kann man lernen

Die Fähigkeit zur Empathie kann man lernen (s. Forschungsliteratur). Dies geschieht am besten dadurch, dass man den äußeren Reaktionen anderer Menschen Beachtung schenkt, um ihr Verhalten besser vorhersagen zu können. Dazu muss man beobachten, was bestimmte Personen üblicherweise tun und man muss lernen, welche Äußerungen (mit Worten, Gesten oder Mimiken) üblicherweise mit welchen Verhaltensweisen einhergehen.

Buchempfehlungen zur Vertiefung einzelner Themen

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Weitere Informationen über die Fähigkeiten Perspektivenübernahme, zur Empathie und zur sozialen Intelligenz.

 

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Mehr über das Erlernen von Empathie bei psychologischen Beeinträchtigungen.

 

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Informiert umfassend über die Fähigkeit zur Empathie – auch ohne Spiegelneurone.

 

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Informiert umfassend, über die Fähigkeit zur Empathie – auf der Grundlage von Spiegelneuronen.

 


Dieses Buch ist der Klassiker über das Erkennen von Gefühlen und das nutzbringende Umgehen damit.

 

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