Problemlösen

Wie löst unser Gehirn Probleme? Gibt es eine spezielle Problemlösefähigkeit? Inwieweit lassen sich Erkenntnisse der Hirnforschung beim Problemlösen berücksichtigen?

Es gibt Ziele, die nicht durch eine einzige Handlung, sondern erst durch eine geeignete Wahl von mehreren Schritten zu erreichen sind. Die Vorgehensweise, die richtigen Schritte zu finden und auszuführen, nennt man Problemlösen. In der Regel geht man dafür aus, dass man zum Lösen eines Problems gewisse einschlägige Kenntnisse besitzen muss und darüber hinaus einige Fähigkeiten im Denken, die erlauben, vorhandene Kenntnisse geeignet einzusetzen. Einzelne Komponenten davon können mit Hilfe von Intelligenztests geprüft werden. Manche Psychologen bezeichnen die sogenannte flüssige Intelligenz, also die Fähigkeit vorhandene Kenntnisse zielführend einzusetzen, bereits als Problemlösefähigkeit. Sie gilt als grundlegend für die Lösung praktischer und sozialer Probleme. Andere Untersucher gehen davon aus, dass eher die klassischen Intelligenzleistungen, also zum Beispiel räumliches Denken oder Analogien bilden, zwar gute Beispiele für Problemlösefähigkeiten sind, diese jedoch nicht erschöpfend abbilden.

Klassische und moderne Problemlöseforschung

Es gibt eine klassische Problemlöseforschung, die sich mit Problemen beschäftigt, die durch einen Ausgangs- oder Istzustand und einem anzustrebenden Ziel- oder Sollzustand definiert sind, sowie bestimmten Hindernissen, die den Weg schwierig gestalten und schließlich Methoden oder Operationen, die zur Lösung führen. Hier ein typisches Beispiel: Neun Punkte werden in einer quadratischen Anordnung auf ein Blatt Papier gezeichnet. Wie kann man alle neun Punkte mit einem aus vier Strecken bestehenden Streckenzug verbinden, also mit nur vier aneinanderhängenden, geraden Linien? Die Lösung ist eine Strichfolge, die entfernt an das „Haus des Nikolaus“ erinnert. Sie ist deshalb schwer zu finden, weil die Linien über die „Eckpunkte“ der Punkteanordnung hinaus reichen müssen („out of the box“).

Vor allem bei ökonomischen Entscheidungen stößt die klassische Problemlöseforschung auf Grenzen. Viele Probleme, die zum Beispiel politische oder wirtschaftliche Bedeutung haben, besitzen keinen definierten Zielzustand, sondern wollen eine Reihe von Zielgrößen optimieren, aus denen sich ein wirtschaftlicher Ertrag oder politischen Erfolg ablesen lässt. Dies kann mit sehr verschiedenen Mitteln erreicht werden, zum Beispiel durch Herstellung von verschiedenen Formen von Gewinn und Zufriedenheit, die sich oft in nicht ganz einfacher Weise gegeneinander verrechnen und die im Negativfall die Problemlösung mitunter völlig verhindern. Aus diesem Grund werden weite Bereiche der Problemlöseforschung durch die Urteilslehre, insbesondere durch Modelle für richtiges Entscheiden und durch spieltheoretische Modelle beschrieben. Inwieweit solche Modelle, zum Beispiel in der Auseinandersetzung mit sogenannten Dilemmata (in zwiespältige Situationen) neurokognitiv verankerte Strategien abbilden, ist Gegenstand gegenwärtiger Forschung.

 

Alltagsprobleme bewältigen

Wie bewältigt das Gehirn Alltagsprobleme (daily hassles)? Wie kann man Alltagsprobleme besser lösen?

Schon die Bewältigung von Alltagsproblemen (daily hassles) kann manchmal kniffelig sein: Wo habe ich nur meine Schlüssel hingelegt oder das Auto geparkt? Wie schafft es das Gehirn, auf das Wesentliche zu achten und das Richtige zu tun? Und warum klappt das manchmal überhaupt nicht? Man kann Schritt für Schritt zeigen, wie sich bei bestimmten Problemen die einzelnen Regionen des Stirnhirns beteiligen und im Zusammenspiel überraschend kluge Entscheidungen getroffen werden.

Den Arbeitsspeicher nicht überfordern
So ist es zum Beispiel hilfreich zu wissen, dass für all das Wissen und Können, das man augenblicklich braucht, nur ein sehr begrenzter Speicherplatz im Gehirn zur Verfügung steht, nämlich das sogenannte Arbeitsgedächtnis (siehe Gedächtnis). Eine Faustregel besagt, dass man im Schnitt nur an sieben Dinge zugleich denken kann. Wirklich konzentrieren kann man sich aber nur auf einen Sachverhalt. Wenn eine Ablenkung in einem Augenblick erfolgt, in dem gerade mehrere Dinge zu erledigen sind und dabei noch eine eben stattgefundene Auseinandersetzung nachwirkt, kann das Arbeitsgedächtnis unbemerkt rasch an seine Grenzen stoßen. Den Zweifel, alles berücksichtigt zu haben, spürt man deutlich in komplexen Problemsituationen. Das geschieht, obwohl das Gehirn selbst eine fast unerschöpfliche Kapazität hat, immer wieder Neues zu lernen.

Gute Gewohnheiten pflegen
Doch das Stirnhirn besitzt Mechanismen, die gezielt auf Wissen und Erfahrungen zugreifen, Analogien bilden und Bewertungen vornehmen können. Daraus ergeben sich Strategien, die mitunter auf einfachen Lösungsregeln beruhen (sogenannte Heuristiken). So ist zum Beispiel die Gewohnheit hilfreich, mit wichtigen Gegenständen stets so umzugehen, wie es sich bisher bewährt hat. Man sollte seine Schlüssel beispielsweise immer auf den gleichen Platz legen. Auch die bekannte Regel „Never change a winnig team“ kann man auf die Wirkung von Erfolgserfahrungen zurückführen. Lösungsregeln dieser Art sind universell einsetzbar und bewähren sich im Alltag (s. Forschungsliteratur). Durch Verständnis der zugrundeliegenden Hirnmechanismen lassen sich auch neue Lösungsregeln besser hinsichtlich Ihrer Tauglichkeit bewerten.

Weitere, häufig genannte Tipps zum Lösen von Problemen
Viele Problemlösungen brauchen auch Kreativität, die sich beispielweise auch gut entfalten kann, indem man die meist abstrakten Randbedingungen eines komplexen Problems mit „Fleisch“ versieht und ihnen „Leben einhaucht“. Dazu kann man Eigenschaften hinzufügen, zum Beispiel wie wenn Dinge sprechen, fühlen oder handeln könnten. Manchmal lassen sich komplexe, abstrakte Sachverhalte dadurch besser „veranschaulichen“. Oder auch dadurch, dass man sie vereinfacht oder konkretisiert. Auch wenn Randbedingungen dadurch ein wenig verfälscht werden können, kann eine Veranschaulichung den Blick auf bisher nicht erkannte Zusammenhänge öffnen.

Buchempfehlungen zur Vertiefung einzelner Themen

buch2_klugheit
Lesen Sie mehr zu verschiedenenHerangehensweisen bei unterschiedlichen Problemen! Lesen Sie mehr über kognitive Leistungen zur Bewältigung von Alltagsproblemen!

 

buch1_warum_ich_weiss
Mehr zu Problemlösen im sozialen Kontext.

 

buch5_gehirn_mehr
Über das Lernen und die bessere Bewältigung von Alltagsproblemen bei medizinischen und psychologischen Beeinträchtigungen.

 


Wie Sie es vermeiden, in eine Denkfalle zu geraten.

 

Zurück zum Seitenanfang und zum Menü

Seite teilen via:
Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on Twitter