Planen

Wie plant unser Gehirn Handlungen? Gibt es Erkenntnisse aus der Hirnforschung, die man beim Planen berücksichtigen kann?

Gedankliches Planen, Planhandlungen und die Konstruktion von Modellen gehört zu den wichtigsten menschlichen Fähigkeiten. Auch ein Handeln auf Grund von Versuch und Irrtum sieht man heute als Spezialfall einer Planhandlung an. Ausgangspunkt für das Planen sind Erfahrungen, die man in ähnlichen Situationen gemacht hat und die für die konkrete, neue Situation zusammengeführt und angepasst werden müssen. Die auf diese Weise beschriebenen Voraussetzungen treffen für jede zielgerichtete Tätigkeit zu. Das klassische Beispiel dazu ist der Vorsatz, einen Nagel einzuschlagen. Auch wenn dieses Beispiel sehr einfach erscheint, so kann man hieran die wichtigsten Komponenten der Planung studieren. Die Planhandlung beginnt mit der Bereitstellung von Nagel und Hammer, sowie der Festsetzung von Einschlagort und Arbeitsbeginn. Nach dem ersten Hammerschlag ist zu prüfen, ob der Nagel bereits seine endgültige Position erreicht hat. Wenn ja, wird die Tätigkeit beendet, wenn nicht, ist ein nächster Schlag vorzunehmen. Dieses „test-operate-test-exit“-Modell beschreibt gleichzeitig sowohl Plan- wie Versuchs-Irrtums-Handeln und erklärt auch, wie am Erfolg gelernt werden kann.

Mögliche Hindernisse und Fehler

Bei der Planausführung kann es zu einer Abweichung gegenüber dem im Plan erwarteten Fortschritt kommen, also zu einem Fehler. Wird von einer Person ein Ausführungsfehler registriert, kann man in den Hirnstromkurven dieser Person eine charakteristische Auslenkung beobachten. In Abhängigkeit von der Ausprägung dieser Auslenkung kann man eine Neigung zur Korrektur des Fehlers vorhersagen. Der dabei stattfindende Prozess existiert im Grunde auch bei der rein gedanklichen Bearbeitung eines Problems (siehe Denken). Angenommen, eine Person überlegt bei einem Kartenspiel, welche von zwei Karten sie ausspielen soll, und versucht dafür einen angemessenen Plan zu entwickeln. Wenn die beiden Alternativen zunächst gleich gut erschienen, so erfordert die Entscheidung „Anstrengung“ (zu Anstrengung vgl. auch Aufmerksamkeit und Motivation). Neurokognitiv bedeutet das, dass zwei aktivierte Netzwerkteile in Konkurrenz treten. Der Effekt ist, dass ein drittes, im Stirnhirn befindliches Netzwerk zu arbeiten beginnt. Dessen Aufgabe ist es ganz einfach, die Erregungsstärke der konkurrierenden Netzwerkteile unspezifisch zu erhöhen. Dadurch ist jedes der beiden Netzwerke imstande, weitere assoziierte Informationen einzuholen. So entsteht in den beiden Netzwerken eine neue Dynamik, die letztlich imstande ist, eines über das andere dominieren zu lassen.

Denken ist Handlungsvorbereitung

Eine wichtige Eigenschaft von Plänen ist, dass sie in der Regel hierarchisch, also in über- und untergeordneten Ebenen gegliedert sein müssen. Diese Eigenschaft wird durch die Anordnung der beteiligten Nervennetze gewährleistet, und zwar in zweierlei Hinsicht. Die Gedächtnisinhalte des Wissens besitzen nämlich in den Netzwerken der Großhirnrinde, das heißt in der obersten, gewundenen Schicht des Gehirns eine ganz bestimmte Anordnung. So befinden sich die Speicherorte für einfache Gestalten (zum Beispiel für das Aussehen eines Nagels oder die Verwendung eines Hammers) in der Nähe der entsprechenden Sinnesarale. In den davon weiter entfernten Netzwerkteilen sind hingegen abstrakte Sachverhalte verankert (zum Beispiel für die Anzahl der benötigten Nägel oder den Aufbewahrungsort des Hammers). In analoger Weise werden die übergreifende Handlungsstrategien (Abzählen von Nägeln, die Suche nach dem Hammer) von Hirnteilen überwacht, die von den Steuerorten für Einzelbewegungen weiter entfernt sind (s. Forschungsliteratur). Für konkrete Tätigkeiten (wie das Halten des Nagels oder das Zuschlagen mit dem Hammer) werden Hirnteile benötigt, die den motorischen Zentren von Einzelbewegungen dicht benachbart sind.

Die Überwachung der Motorik ist ein über längere Zeit erstreckter Vorgang (siehe Handeln). Hingegen kann ein auf Wahrnehmung und Gedächtnis beruhender Plan in einem einzigen Moment präsent sein. Die theoretische Frage, wie das Gehirn diese Umsetzung bewältigt, wird durch einen überraschenden Befund erklärt: Wahrnehmungen und Gedächtnisinhalte besitzen nur dann Bedeutung, wenn sie in irgendeiner Hinsicht handlungsrelevant sind. Insofern sind alle diese Inhalte, die letztlich das Wissen ausmachen, stets direkt mit Handlungen, Handlungsvorbereitung oder vorhandenen Plänen verknüpft.

Tipps zum Planen

Zum Planen gehört die Vorbereitung von Einzeltätigkeiten ebenso wie übergreifende Gesichtspunkte bis hin zur Nachhaltigkeit des Tuns.

Anstrengung hilft Fehler zu vermeiden. Anstrengung schadet, wenn sie nichts bewirkt. Das Gehirn vollzieht nicht immer Kosten-Nutzen-Rechnungen, sondern arbeitet nur auf der Basis der Wahrscheinlichkeit, mit der ein gerade verfügbares (aktiviertes) Verhalten einen bestimmten Effekt erzielen wird. Nutzen- und Schadensabschätzungen müssen in der Regel dazugelernt werden.

Buchempfehlungen zur Verttiefung einzlner Themen

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Mehr über kluges Planen
aus Sicht der Hirnforschung.

 

buch1_warum_ich_weiss
Informationen zu relevanten Hirnregionen beim Planen.

 

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