Motorik

Was meint man, wenn man von Motorik spricht? Wie wichtig ist es überhaupt, über die Steuerung von Bewegungen Bescheid zu wissen?

Wenn man von Motorik spricht, meint man nicht nur die Biomechanik der Bewegungen. Vielmehr geht es ebenso um komplexe Antriebs- , Steuerungs- und Kontrollfunktionen. Diese dienen dem bedürfnisgerechten Beginn und Ablauf von Bewegungen, sowie der Koordination verschiedener Bewegungen. Bewegung kann nach der Fähigkeit zum Stoffwechsel als eine sehr ursprüngliche biologische Funktion angesehen werden.

Sensomotorik

Das Zusammenspiel von Sinnesreizen und Motorik wird auch als Sensomotorik bezeichnet. Unter dem Blickwinkel der evolutiven Entwicklung steht jedoch die Fähigkeit zur Aufnahme von Umweltreizen stets im Dienst der Ausrichtung von Bewegungen. Daher muss die Bedeutung der sensorischen Hirnareale für das Zustandekommen und die Durchführung von Bewegungen besonders beachtet werden.

Das folgende Video über die Wirkung eines suggestiven Films zeigt, wie eng bereits scheinbar unbedeutende Wahrnehmungen mit der Motorik verflochten sind.

Im gezeigten Beispiel, sowie beim Betrachten von affektiv aufgeladenen oder sexualthematischen Bildern können auch Verbindungen zu emotionssteuernden Hirnzentren aktiviert werden. Ein emotional-suggestiven Film wird im Video zur „Abwehr“ vorgestellt. Je nach Beachtung kann der Supramarginalis sehr verschiedene Handlungstendenzen bewirken. Weitere Funktionen des Supramarginalis sind in einer Audiodatei im Kapitel Sinnliche Wahrnehmung beschrieben.

Spezialthema: Neuropsychologie der Motorik

Hören Sie sich ein vertiefendes Dokument zu einigen psychologisch bedeutsamen Besonderheiten der motorischen Steuerung an (Sprecherin Chris Zambo):

Motorik als Voraussetzung von Lernen

Für menschliches Verhalten interessiert die Anpassung der Motorik an wechselnde Umweltbedingungen durch Lernen. Dies ist Gegenstand eines eigenen Kapitels zum > Lernen. Allerdings sind im Zusammenhang mit Motorik einige grundsätzliche Überlegungen zu den Vorbedingungen für höheres Lernen bedeutsam.

Erstens: Man lernt Dinge am besten, wenn man sie tut. Das bedeutet, dass man Erklärungen oder Instruktionen vor allem dann versteht, wenn sie im Zusammenhang mit dem bisher Gewohnten eine Bedeutung haben. Ein sogenannter Lerntransfer, also ein Mitlernen durch die Ausführung andersgearteter Tätigkeiten ist nur in Ausnahmefällen möglich. Die Rolle von Transferlernen wird meistens überschätzt. So gilt in der Regel, dass man durch Kreuzworträtsel-Lösen lernt, geschickt mit Kreuzworträtseln umzugehen. Ansonsten wird weder Gedächtnis noch Problemlösefähigkeit nennenswert verbessert.

Zweitens: Das gleichzeitige Auftreten eines Reizes mit einer motorischen Tätigkeit besitzt in der zerebralen Informationsverarbeitung stets eine Bedeutung, in Abhängigkeit von der Intensität des Reizes und/oder der Häufigkeit eines solchen Ereignisses. Dabei kann sowohl eine scheinbar unbedeutende Sinneswahrnehmung auch die Befriedigung eines Bedürfnisses als ein solcher Reiz angesehen werden. Die dabei zugrundeliegenden Mechanismen können Sie im Kapitel Lernen ausführlicher kennenlernen.

Drittens:  Eine zwischen Motorik und Sensorik erlernte Verbindung erfolgt nicht reflexhaft, sondern wird über Netzwerke hinweg hergestellt. Sie wirkt in der Regel in beide Richtungen. Das bedeutet, dass im Vollzug eines Verhaltens dessen Wirkung bereits erwartet wird. Insofern ist es beim Lernen keineswegs erforderlich, dass stets sofort ein Erfolg eintritt. Vielmehr ist es vor allem für fortgeschrittene Lernprozesse ein Qualitätsmerkmal, wenn Verhalten auch ohne Belohnung beibehalten wird. Die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub gilt als Indikator in der Intelligenzentwicklung. In der Geschichte der Psychologie ist um 1970 der sogenannte Marshmellow-Test bedeutsam gewesen: Nimmt ein Kind ein kleines Stück Süßigkeit auch dann, wenn ihm bei Verzicht ein größeres versprochen wird?

Weitere Informationen über komplexe Bewegungsabläufe finden Sie im Kapitel Handeln.

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