Kategorie-Archiv: Die höheren Funktionen

Entscheiden

Probleme können nicht ohne gründliche Urteile und Entscheidungen gelöst werden. Wo im Gehirn ist die Instanz, die letztlich entscheidet?

Urteilen und Entscheiden

Verschiedene Urteils- und Entscheidungsstrategien (Heuristiken) werden meist an Hand von mathematischen Modellen oder Computersimulationen geprüft. Dazu gehören Algorithmen, auch solche, die zwar leicht anwendbar sind, aber nur selten zu optimalen Lösungen führen (s. Forschungsliteratur). Häufig arbeitet man mit Zufallsmodellen, insbesondere auch mit solchen, die bedingte Wahrscheinlichkeiten berücksichtigen. Wissenschaftliche Modelle zur Anwendung und Überprüfung von Entscheidungsstrategien orientieren sich meistens an bestimmten beispielhaften Problemstellungen, wie zum Beispiel Gewinn- und Verlustentscheidungen, oder am Verlauf von Kooperationsversuchen von zwei oder mehreren Personen. Weiterlesen

Psychoanalytische Begriffe

Was sagt die Neuropsychologie zu den Konzepten von Sigmund Freud? Was kann man unter Trauma, Hysterie, dem Es, einem Traum, unter Übertragung und Abwehr oder unter Verdrängung verstehen?

Neuropsychologen und Psychoanalytiker sind sich in einem Punkt einig: Wenn Freud heute leben würde, wäre er Neuropsychologe. Sigmund Freud (1856-1939) war jedoch ursprünglich Neurophysiologe im Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Bereits mit etwa 27 Jahren fand er bei vielen Patienten die damalige naturwissenschaftliche Herangehensweise unzureichend. Zusammen mit dem Internisten Josef Breuer entwickelte bei der Behandlung einer sogenannten hysterischen Patientin etwas, was er später eine „Redekur“ nannte.

Die neuropsychologische Sicht auf psychoanalytische Begriffe beginnen wir am besten mit dem Begriff Trauma und mit der Frage, was man heute unter seelischer Verletzung versteht.

Aus den im vorigen Video geschilderten Anfängen entwickelte Freud seine eigene Sichtweise auf Störungen, die man damals unter dem Begriff Hysterie zusammenfasste. Auf der Grundlage einer zu dieser Zeit bereits üblichen „psychischen Kur“ (vgl. Goethes Theaterstück „Lila“ 1777) wandte er eine Behandlung an, die er schließlich „Psychoanalyse“ nannte.

Schon bei seiner Beschäftigung mit Hysterie im Jahre 1885 hatte Freud erkannt, dass nicht alles Erlebte beliebig erinnert werden kann. Bereits vor ihm hatte Carl Gustav Carus 1846 über die Bedeutung der „Region des Unbewusstseins“ geschrieben. Freud konstruierte später eine Theorie des Seelenlebens, in der er das Unbewusste „Es“ nannte. Über den Begriff der Seele („Psyche“) in der modernen Psychologie hören Sie bitte die entsprechende Audio-Datei im Einführungskapitel.
Sehen Sie nun das Video über den Begriff des Es nach Freud.

In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts meinte Freud, über Traumberichte einen „Königsweg“ zu bedeutsamen Teilen des Unbewussten gefunden zu haben. Darüber und über einige neuropsychologische Befunde zum Träumen informiert das nächste Video zum Begriff Traum.

Seit 1891 praktizierte Freud in der Wiener Berggasse. Dort entwickelte er nicht nur seine Methode der Traumdeutung, sondern sammelte auch Erfahrungen über das Verhalten seiner Patientinnen im Verlauf der Behandlung. Sehen Sie nun dazu ein Video zum Begriff Übertragung nach Freud.

Konfliktbewältigung ist in der Psychoanalyse ein zentrales Thema, vor allem wenn Personen in schwierigen Situationen merkwürdig unbekümmert erscheinen. Das folgende Video behandelt den Begriff der Abwehr.

Der letzte, hier behandelte Begriff wurde von Freud bereits im Zusammenhang mit seinen frühen Studien zur Hysterie verwendet und gilt als zentraler Begriff in der klassischen Psychoanalyse. Das letzte Video in diesem Abschnitt informiert über den Begriff der Verdrängung.

Ästhetik

Über Geschmack lässt sich streiten …

… und Gefallen hängt oft vom Zeitgeist ab. Somit ist ästhetisches Empfinden scheinbar sehr indiiduell geprägt. Doch zur Untersuchung von subjektivem Erleben gibt es gute psychologische Methoden. Lassen sie sich von den folgenden Videos überraschen, die Ihnen zeigen werden,wie Interesse, Gefallen und das Gefühl von Schönheit entsteht. Weiterlesen

Zusammenhänge & Ursachen

Wie kommt es dazu, dass man in der Wahrnehmung und beim Denken oft Dinge in Verbindung bringt, die kaum etwas miteinander zu tun haben?
Wieso erkennt man eigentlich Gegenstände, obwohl man sie kaum sieht?
Und wie kommt das Gehirn dazu, Vermutungen über Sachverhalte anzustellen, über die es kaum etwas weiß?

Sie sehen das Bild eines jungen Mannes und erfahren, dass er Raucher ist. Glauben Sie, dass dieser Mann imstande sein könnte, spontan mit dem Rauchen aufzuhören, wenn ihn seine Freundin ernsthaft darum bittet? Sagen Sie jetzt nicht, dass so eine Zuschreibung verrückt ist. Ähnliche Zuschreibungen geschehen tagtäglich, wenn eine neue Naturheilmethode ausprobiert wird oder ein Börsenguru aus dem Kaffeesatz liest. Das Beispiel mit dem Raucher stammt übrigens aus einer psychologischen Untersuchung, wo die Teilnehmer gebeten wurden, auf jeden Fall eine Antwort zu geben, um zu sehen, welches Hirnteil an einem solchen Urteil besonders beteiligt ist. Weiterlesen

Aufmerksamkeit

Was ist Aufmerksamkeit, wie entseht Aufmerksamkeit im Gehirn? Inwieweit lässt sich die eigene Aufmerksamkeit gezielt steuern oder steigern?

Aufmerksamkeit wird meist als eine besondere Form von besonders deutlichem Bewusstsein angesehen. In der Psychologie kennt man jedoch auch automatische Aufmerksamkeitsprozesse. Auf Grund solcher Formen von Aufmerksamkeit kann es geschehen, dass Unfallzeugen einen flüchtigen Unfallverursacher nicht beschreiben können, weil sie – abgelenkt durch die Unfallschäden – seinem Gesicht offenbar keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. Bei Konfrontation mit Fotos möglicher Täter kann der Unfallverursacher unter Umständen dennoch wiedererkannt werden. Das weist darauf hin, dass dem Gesicht unbemerkt doch so viel Aufmerksamkeit geschenkt worden war, dass eine Gedächtnisspur eingeprägt wurde. Diese war zwar nicht für die Beschreibung, wohl aber für die Wiedererkennung ausreichend Weiterlesen

Gedankenlesen

Ist Gedankenlesen möglich? Welche Erkenntnisse liefert die Hirnforschung? Unter welchen Bedingungen können die Gedanken anderer Menschen „gelesen“ werden?

Gedankenlesen ist das Erkennen von Gedankengängen, die nicht ausgesprochen werden. Wer möchte nicht manchmal die Gedanken anderer lesen – auch ohne die Tricksereien von Bühnenkünstlern? Tatsächlich ist Gedankenlesen für jeden Menschen bis zu einem gewissen Grad möglich. Die Natur hat uns Menschen mit einer ganzen Palette von Fähigkeiten ausgestattet, die es erlaubt, Stimmungen, Absichten, Sichtweisen und Gedanken anderer Personen ansatzweise zu erraten. Das Hineindenken in eine bestimmte Perspektive, das Lesen von Mimiken und die Aktivität von Spiegelzellen sind der Schlüssel zum Erfolg (siehe hierzu auch Perspektivenübernahme und Empathie).

Moderne Methoden der Hirnforschung lassen zu, dass wir über die Gedankengänge von Menschen immer mehr in Erfahrung bringen. Weiterlesen

Sprechen

Wie ermöglicht unser Gehirn das Sprechen?

Bevor Sie diesen Beitrag lesen, sollten Sie sich das Video über „Lesen und Sprechen“ im Kapitel über das Grosshirn angesehen haben.

Die Sprachproduktion erfolgt mit Hilfe von Kehlkopf, Zunge und Lippen. Nicht nur das Zusammenspiel der entsprechenden Muskeln, sondern vor allem die Abfolge der Bewegungen ist für das Sprechen vorrangig. Während zum Beispiel beim Wort „Banane“ bei jeder der drei Silben nur je zwei Laute gebildet werden müssen, sind es beim Wort „schimpfst“ schon sieben Laute für nur eine Silbe. Die Überwachung der Lautproduktion unter Berücksichtigung von Verlauf und Geschwindigkeit übernimmt im Gehirn ein Teil des motorischen Stirnhirns, das sogenannte Operculum. Unmittelbar vor dem Operculum befinden sich in der Großhirnrinde, also in der gewundenen Oberfläche des Gehirns, mehrere andere Areale, die die Sprachproduktion überwachen. Die Sprachlaute müssen in einen gemäß den Sprachgewohnheiten korrekten Verbund (Syntax) gebracht werden. Weiterlesen

Empathie

Wodurch können wir andere Menschen verstehen, mit ihnen fühlen und sie hilfreich unterstützen?

Das Verständnis für andere Menschen (Empathie, Mitgefühl) beruht auf mehreren Mechanismen. Einer davon ist die Fähigkeit, die Sichtweise (Perspektive) anderer Personen zu übernehmen (kognitive Empathie, Theory of Mind). Siehe dazu das Kapitel zur „Perspektivenübernahme“. Eine andere, biologisch ältere Funktion ermöglicht eine Gefühls-Spiegelung (Mitgefühl im engeren Sinn, emotionale Empathie). Im sozialen Miteinander hilft Empathie nicht nur den jeweils anderen Menschen, sondern im Gegenzug auch jedem Einzelnen. Insofern unterstützt Empathie Kooperation und dient somit nicht zuletzt auch der Erreichung eigener Ziele. Weiterlesen