Kategorie-Archiv: Die höheren Funktionen

Zusammenhänge & Ursachen

Wie kommt es dazu, dass man in der Wahrnehmung und beim Denken oft Dinge in Verbindung bringt, die kaum etwas miteinander zu tun haben?
Wieso erkennt man eigentlich Gegenstände, obwohl man sie kaum sieht?
Und wie kommt das Gehirn dazu, Vermutungen über Sachverhalte anzustellen, über die es kaum etwas weiß?

Sie sehen das Bild eines jungen Mannes und erfahren, dass er Raucher ist. Glauben Sie, dass dieser Mann imstande sein könnte, spontan mit dem Rauchen aufzuhören, wenn ihn seine Freundin ernsthaft darum bittet? Sagen Sie jetzt nicht, dass so eine Zuschreibung verrückt ist. Ähnliche Zuschreibungen geschehen tagtäglich, wenn eine neue Naturheilmethode ausprobiert wird oder ein Börsenguru aus dem Kaffeesatz liest. Das Beispiel mit dem Raucher stammt übrigens aus einer psychologischen Untersuchung, wo die Teilnehmer gebeten wurden, auf jeden Fall eine Antwort zu geben, um zu sehen, welches Hirnteil an einem solchen Urteil besonders beteiligt ist. Weiterlesen

Sinnliche Wahrnehmung

Wie erfolgt die Wahrnehmung und die Verarbeitung von Signalen im Gehirn? Inwieweit gibt es Erkenntnisse aus der Hirnforschung zur Verbesserung der eigenen Wahrnehmung?

Bevor Sie diesen Beitrag lesen, sollten Sie sich die Video über „Sehen und Erkennen“ und über „Komplexe Szenarien“ im Kapitel über das Grosshirn angesehen haben.

Im Verlauf der Wahrnehmung werden Signale aus dem Körperinneren oder aus der Umwelt aufgenommen, analysiert und gedeutet. Signale, die für die Wahrnehmung von Bedeutung sind, können optische, mechanische oder chemische Reize sein. Wenn diese Signale auf sogenannte Sensoren treffen, zum Beispiel entsprechend empfindliche Sinneszellen, kommt es auf Grund der Reize im Nervensystem zu einer Informationsverarbeitung. Diese erfolgt in Nervennetzen, in denen auf Grund der Meldungen aus den Sensoren Nervenimpulse verteilt und in den angesprochenen Nervenzellen verstärkt oder blockiert werden. Bei einer Erhöhung der Impulsrate an einzelnen Orten der Nervennetzwerke spricht man von Erregung, bei einer Verminderung von Hemmung. Sofern man Erregungsprozesse im Nervensystem auf eine Reizung durch Sinnesmeldungen zurückführen kann, ordnet man diese der Wahrnehmung zu. Weiterlesen

Aufmerksamkeit

Was ist Aufmerksamkeit, wie entseht Aufmerksamkeit im Gehirn? Inwieweit lässt sich die eigene Aufmerksamkeit gezielt steuern oder steigern?

Aufmerksamkeit wird meist als eine besondere Form von besonders deutlichem Bewusstsein angesehen. In der Psychologie kennt man jedoch auch automatische Aufmerksamkeitsprozesse. Auf Grund solcher Formen von Aufmerksamkeit kann es geschehen, dass Unfallzeugen einen flüchtigen Unfallverursacher nicht beschreiben können, weil sie – abgelenkt durch die Unfallschäden – seinem Gesicht offenbar keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. Bei Konfrontation mit Fotos möglicher Täter kann der Unfallverursacher unter Umständen dennoch wiedererkannt werden. Das weist darauf hin, dass dem Gesicht unbemerkt doch so viel Aufmerksamkeit geschenkt worden war, dass eine Gedächtnisspur eingeprägt wurde. Diese war zwar nicht für die Beschreibung, wohl aber für die Wiedererkennung ausreichend Weiterlesen

Gedankenlesen

Ist Gedankenlesen möglich? Welche Erkenntnisse liefert die Hirnforschung? Unter welchen Bedingungen können die Gedanken anderer Menschen „gelesen“ werden?

Gedankenlesen ist das Erkennen von Gedankengängen, die nicht ausgesprochen werden. Wer möchte nicht manchmal die Gedanken anderer lesen– auch ohne die Tricksereien von Bühnenkünstlern? Tatsächlich ist Gedankenlesen für jeden Menschen bis zu einem gewissen Grad möglich. Die Natur hat uns Menschen mit einer ganzen Palette von Fähigkeiten ausgestattet, die es erlaubt, Stimmungen, Absichten, Sichtweisen und Gedanken anderer Personen ansatzweise zu erraten. Das Hineindenken in eine bestimmte Perspektive, das Lesen von Mimiken und die Aktivität von Spiegelzellen sind der Schlüssel zum Erfolg (siehe hierzu auch Empathie).

Moderne Methoden der Hirnforschung lassen zu, dass wir über die Gedankengänge von Menschen immer mehr in Erfahrung bringen. Weiterlesen

Sprechen

Wie ermöglicht unser Gehirn das Sprechen?

Bevor Sie diesen Beitrag lesen, sollten Sie sich das Video über „Lesen und Sprechen“ im Kapitel über das Grosshirn angesehen haben.

Die Sprachproduktion erfolgt mit Hilfe von Kehlkopf, Zunge und Lippen. Nicht nur das Zusammenspiel der entsprechenden Muskeln, sondern vor allem die Abfolge der Bewegungen ist für das Sprechen vorrangig. Während zum Beispiel beim Wort „Banane“ bei jeder der drei Silben nur je zwei Laute gebildet werden müssen, sind es beim Wort „schimpfst“ schon sieben Laute für nur eine Silbe. Die Überwachung der Lautproduktion unter Berücksichtigung von Verlauf und Geschwindigkeit übernimmt im Gehirn ein Teil des motorischen Stirnhirns, das sogenannte Operculum. Unmittelbar vor dem Operculum befinden sich in der Großhirnrinde, also in der gewundenen Oberfläche des Gehirns, mehrere andere Areale, die die Sprachproduktion überwachen. Die Sprachlaute müssen in einen gemäß den Sprachgewohnheiten korrekten Verbund (Syntax) gebracht werden. Weiterlesen

Kategoriales und regelgeleitetes Denken

Denken ist wohl eine der faszinierendsten Leistungen, die unser Gehirn hervorbringt. Was passiert im Gehirn, wenn wir denken? Welche Erkenntnisse liefert die Hirnforschung damit uns diese Leistung noch besser gelingt und wir nicht in Denkfallen geraten?

Das menschliche Denken beruht auf der Informationsverarbeitung der Nervennetzwerke in der Großhirnrinde, also in der gewundenen Oberfläche des Gehirns. Das Video über „Verstehen und Denken“ aus dem Kapitel über die Großhirnrinde veranschaulicht diesen Sachverhalt. Denken kann unbewusst und in verschiedenen Graden bewusst erfolgen.

Die moderne Psychologie lehrt uns, dass Denkprozesse zu Erkenntnissen führen, die uns handlungsfähig machen. Beim aufmerksamen Denken wird in der Regel das Stirnhirn beteiligt. Ist das nicht oder nur unzureichend er Fall, kann es passieren, dass man beim Denken gewissermaßen stolpert oder in eine Denkfalle läuft. Wenn bestimmte Funktionen durch Verletzung, Ablenkung oder Unachtsamkeit nicht greifen, kommt es zu typischen Denkfehlern. In der Hirnforschung werden solche Fälle genau analysiert. Denn aus Denkfehlern kann man viel über richtiges Denken lernen. Durch Verständnis des Zusammenspiels von den verschiedenen Hirnfunktionen können beispielsweise auch häufige Denkfallen vermieden werden. Dazu muss man vor allem wissen, dass das Denken durch Klassifizierung und Kategorisierung stets Gesetzen der Informationsverarbeitung folgt, die man bereits bei Tieren beobachtet (s. Forschungsliteratur). Daraus ergeben sich dann die Regeln für das schlussfolgernde Denken. Weiterlesen

Empathie

Wie ermöglicht unser Gehirn Empathie? Kann man Empathie lernen und welchen Nutzen stiftet Empathie?

Das Mitgefühl (Empathie) beruht auf mehreren Mechanismen. Einer davon ist die Fähigkeit, die Sichtweise (Perspektive) anderer Personen zu übernehmen (kognitive Empathie), eine andere die Gefühls-Spiegelung (emotionale Empathie). Im sozialen Miteinander hilft Empathie nicht nur den jeweils anderen Menschen, sondern im Gegenzug auch jedem Einzelnen. Insofern unterstützt Empathie Kooperation und somit nicht zuletzt auch die Erreichung eigener Ziele.

Perspektivenübernahme

Die Tatsache, dass man eine fremde Perspektive zu verstehen meint, beruht zum Teil auf bestimmten Erwartungen, die man auf Grund von bisher beobachteten Verhaltensweisen aufbaut. Weiterlesen

Handeln

Wie steuert unser Gehirn unsere Handlungen? Welche Hindernisse können beim Handeln auftreten und wie sollte man diesen Hindernissen umgehen?

Man versteht unter Handeln ein zielgerichtetes Tätigwerden. Dem menschlichen Handeln wird unterstellt, dass die Wahl des Ziels oder der Mittel, der Entschluss oder die Durchführung zumindest teilweise bewusst erfolgt. Wichtige Momente des Handelns sind der Beginn einer Handlung, ihre Durchführung und die Beendigung der Handlung.

Start einer Handlung

Den Zeitpunkt des Beginns einer Handlung kann man nach unterschiedlichen Kriterien festlegen. In häufig wiederholten Experimenten hat man festgestellt, dass die motorische Bereitschaft, eine geplante Handlung in eine Tätigkeit umzusetzen, Weiterlesen

Sprachverständnis

Bevor Sie diesen Beitrag lesen, sollten Sie sich das Video über „Lesen und Sprechen“ im Kapitel über das Grosshirn angesehen haben.

Wie ermöglicht das Gehirn Sprachverständnis? Wie sind Sprache und Denken miteinander verknüpft?

Umfang und Einsatzmöglichkeiten der menschlichen Sprache übersteigen in vielfacher Hinsicht die Möglichkeiten der Kommunikation von Tieren. Dennoch hat die menschliche Sprachfähigkeit biologische Wurzeln. Aus der Sicht der Gehirnforschung steht im Vordergrund, dass die Sprachfunktionen schwerpunktmäßig in ganz bestimmten Orten des Gehirns verankert sind. Unter der Lateralisierung der Sprachfunktionen versteht man den Befund, dass Sprachfunktionen häufig dann defizitär werden, wenn es zu Verletzungen (Infarkt, Tumor) auf der linken Gehirnhälfte kommt. Die Leistungsunterschiede zwischen den Gehirnhälften (Hemisphären) kommen dadurch zustande, dass die Großhirnrinde, also die gewundene Oberfläche des Gehirns, links mehr Nervenzellen besitzt als rechts, wo es geringfügig mehr Fasern gibt. Vereinfacht gesprochen, können dadurch links mehr Einzelfakten (Kategorien, Symbole und eben auch sprachliche Zeichen) gespeichert werden. Weiterlesen

Problemlösen

Wie löst unser Gehirn Probleme? Gibt es eine spezielle Problemlösefähigkeit? Inwieweit lassen sich Erkenntnisse der Hirnforschung beim Problemlösen berücksichtigen?

Es gibt Ziele, die nicht durch eine einzige Handlung, sondern erst durch eine geeignete Wahl von mehreren Schritten zu erreichen sind. Die Vorgehensweise, die richtigen Schritte zu finden und auszuführen, nennt man Problemlösen. In der Regel geht man dafür aus, dass man zum Lösen eines Problems gewisse einschlägige Kenntnisse besitzen muss und darüber hinaus einige Fähigkeiten im Denken, die erlauben, vorhandene Kenntnisse geeignet einzusetzen. Einzelne Komponenten davon können mit Hilfe von Intelligenztests geprüft werden. Weiterlesen