Handeln

Wie steuert unser Gehirn unsere Handlungen? Welche Hindernisse können beim Handeln auftreten und wie sollte man diesen Hindernissen umgehen?

Man versteht unter Handeln ein zielgerichtetes Tätigwerden. Dem menschlichen Handeln wird unterstellt, dass die Wahl des Ziels oder der Mittel, der Entschluss oder die Durchführung zumindest teilweise bewusst erfolgt. Wichtige Momente des Handelns sind der Beginn einer Handlung, ihre Durchführung und die Beendigung der Handlung.

Start einer Handlung

Den Zeitpunkt des Beginns einer Handlung kann man nach unterschiedlichen Kriterien festlegen. In häufig wiederholten Experimenten hat man festgestellt, dass die motorische Bereitschaft, eine geplante Handlung in eine Tätigkeit umzusetzen, allmählich erfolgt. Die Entscheidung, eine Handlung in bestimmter Form auszuführen (siehe Planen), kann sehr frühzeitig erfolgen, in experimentellen Anordnungen unter bildgebender Registrierung der Hirnaktivität zum Beispiel mehrere Sekunden vor der Bewegung. Der Beginn der motorischen Ausführung kann mit Hilfe von zeitlich genauen Hirnstrommessungen auf etwa eine Drittelsekunde vor der bewussten Entscheidung zu einer Bewegung festgesetzt werden. Da es auch Tätigkeiten ohne bewussten Entschluss gibt, stellt sich die Frage, unter welchen Umständen es zu einer Beteiligung des Bewusstseins, meist in Form eines Willensaktes, kommt. Jedenfalls muss die Aktivität der beteiligten, „exekutiven“ Nervennetze so stark sein, dass sie auf die Teile des Gehirns überspringt, die eine Ich-Beteiligung veranlassen.

Das Ich-Bewusstsein des Akteurs. Bei einem simulierten Ballspiel kann man sehen, wie sich Personen einen Ball zuwerfen (Dritte-Person-Perspektive, unten). Wenn man den Ball selbst werfen kann (Erste-Person-Perspektive, oben), ist im Gehirn ein besonderes Areal (medialer Frontalcortex) aktiv.

In der Neurokognition stellt sich nunmehr die Frage, auf Grund welcher Kriterien das Gehirn den genauen Zeitpunkt für den Beginn einer Handlung festlegt. Mechanismen für den Bewegungsstart gibt es auch bei Tieren. Impulse, die die Bereitschaft verschiedener Körperorgane zum Tätigwerden (zum Beispiel Wachheit, Hunger oder sexuelles Bedürfnis) signalisieren, kommen aus tiefergelegenen Hirnteilen, Impulse für Planhandlungen (zum Beispiel eine Arbeit zu erledigen) aus dem Stirnhirn. Die genannten Impulse, die eine körperliche Bereitschaft zum Handeln signalisieren, sind mit Zentren verbunden, wo Bewegungsprogramme auf Abruf warten. Ist die Bereitschaft generell zu hoch, kommt es zu Impulsivität. Betrifft eine starke Bereitschaft nur bestimmte Handlungen, spricht man von Sucht. Der Abrufdruck und die Bereitschaft zur Bewegung verrechnen sich zur momentanen Erfolgserwartung. Ist der Abrufdruck zu gering, kommt es zu einer Art Gelähmtheit.

Spezialthema: Neuropsychologie der Motorik

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Durchführung einer Handlung

Die Handlungsdurchführung entzieht sich oft wegen der großen Vielfalt von Handlungen einer sinnvollen Systematik. Allerdings gibt es in vielen Bereichen der Wirtschaft oder Politik ähnliche Probleme bei der Umsetzung eines Plans. Mit diesen Problemen beschäftigt sich die Implementierungsforschung. Wichtige Problemfelder sind zum Beispiel: die Akzeptanz eines Planes in der Umgebung der vorgesehenen Realisierung (acceptability), das konkrete Regieren auf die Handlung und die Übernahme der beabsichtigten Handlungswirkungen (adoption), die zwischenzeitliche Bewertung der Angemessenheit (appropiateness), die Machbarkeit (feasibility), die Passgenauigkeit der Ausführung (fidelity), die Kosten der Ausführung (costs), eine Beurteilung des Gesamteffekts (penetration), die Nachhaltigkeit (sustainability).

Beendigung einer Handlung

Das aktive Beendigen einer Handlung wird in der Regel durch Signale veranlasst, die entweder von den Effekten der Handlungsausführung stammen oder andere Handlungen bevorzugen lassen. In beiden Fällen kann man von Stoppsignalen sprechen. Diese werden in experimentellen Anordnungen in der Regel wieder mit einer Verzögerung von etwa einer Drittelsekunde im Gehirn wirksam. Die Mechanismen der Bewegungsausführung und die Verarbeitung von Stopphinweisen treten in der Praxis gewissermaßen in Konkurrenz. Diese Konkurrenz lässt sich mit Hilfe sogenannter Wettlaufmodelle mathematisch beschreiben. Wenn Stoppmechanismen versagen, kann es zu Zwangshandlungen kommen.

Tipps zum zielgerichteten Handeln

Die Schwelle, eine Handlung einzuleiten, wird umso leichter überschritten, je besser eine Verhaltensweise eingeübt ist. Allerdings ist diese Schwelle zwischen Personen generell unterschiedlich gesetzt und bei impulsiven Personen niedrig. Solche Personen nehmen viele Dinge in Angriff, unterliegen aber auch der Gefahr sich zu überschätzen.

Muss eine zielgerichtete Handlung aus äußeren Gründen unterbrochen werden, ohne dass sie ihr Ziel erreicht hat, bleibt der Plan dazu oft sehr lange noch im Gedächtnis. Dadurch kann ein Misserfolg zu einer traumatischen Erfahrung werden, insbesondere wenn dadurch Gedächtnis-Kapazitäten gebunden werden. Will man seine Kapazitäten nicht einschränken, so ist man ist gut beraten, Fehler rasch zu korrigieren oder Streitigkeiten zügig zu beenden.

Buchempfehlungen:

buch2_klugheit
Mehr über die Hirnvorgänge beim „klugen Handeln“.

 

buch1_warum_ich_weiss
Mehr über das Handeln im sozialen Kontext, zu impulsivem Handeln und zu Zwangshandlungen.

 

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