Archiv der Kategorie: Die höheren Funktionen

Aufmerksamkeit

Was ist Aufmerksamkeit, wie entseht Aufmerksamkeit im Gehirn? Inwieweit lässt sich die eigene Aufmerksamkeit gezielt steuern oder steigern?

Aufmerksamkeit wird meist als eine besondere Form von besonders deutlichem Bewusstsein angesehen. In der Psychologie kennt man jedoch auch automatische Aufmerksamkeitsprozesse. Auf Grund solcher Formen von Aufmerksamkeit kann es geschehen, dass Unfallzeugen einen flüchtigen Unfallverursacher nicht beschreiben können, weil sie – abgelenkt durch die Unfallschäden – seinem Gesicht offenbar keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. Bei Konfrontation mit Fotos möglicher Täter kann der Unfallverursacher unter Umständen dennoch wiedererkannt werden. Das weist darauf hin, dass dem Gesicht unbemerkt doch so viel Aufmerksamkeit geschenkt worden war, dass eine Gedächtnisspur eingeprägt wurde. Diese war zwar nicht für die Beschreibung, wohl aber für die Wiedererkennung ausreichend Weiterlesen

Gedankenlesen

Ist Gedankenlesen möglich? Welche Erkenntnisse liefert die Hirnforschung? Unter welchen Bedingungen können die Gedanken anderer Menschen „gelesen“ werden?

Gedankenlesen ist das Erkennen von Gedankengängen, die nicht ausgesprochen werden. Wer möchte nicht manchmal die Gedanken anderer lesen – auch ohne die Tricksereien von Bühnenkünstlern? Tatsächlich ist Gedankenlesen für jeden Menschen bis zu einem gewissen Grad möglich. Die Natur hat uns Menschen mit einer ganzen Palette von Fähigkeiten ausgestattet, die es erlaubt, Stimmungen, Absichten, Sichtweisen und Gedanken anderer Personen ansatzweise zu erraten. Das Hineindenken in eine bestimmte Perspektive, das Lesen von Mimiken und die Aktivität von Spiegelzellen sind der Schlüssel zum Erfolg (siehe hierzu auch Perspektivenübernahme und Empathie).

Moderne Methoden der Hirnforschung lassen zu, dass wir über die Gedankengänge von Menschen immer mehr in Erfahrung bringen. Weiterlesen

Sprechen

Wie ermöglicht unser Gehirn das Sprechen?

Der Sprechakt

Die Sprachproduktion erfolgt mit Hilfe von Kehlkopf, Zunge und Lippen. Nicht nur das Zusammenspiel der entsprechenden Muskeln, sondern vor allem die Abfolge der Bewegungen ist für das Sprechen vorrangig. Während zum Beispiel beim Wort „Banane“ bei jeder der drei Silben nur je zwei Laute gebildet werden müssen, sind es beim Wort „schimpfst“ schon sieben Laute für nur eine Silbe. Die Überwachung der Lautproduktion unter Berücksichtigung von Verlauf und Geschwindigkeit übernimmt im Gehirn ein Teil des motorischen Stirnhirns, das sogenannte Operculum. Unmittelbar vor dem Operculum befinden sich in der Großhirnrinde, also in der gewundenen Oberfläche des Gehirns, mehrere andere Areale, die die Sprachproduktion überwachen. Weiterlesen

Empathie

Wodurch können wir andere Menschen verstehen, mit ihnen fühlen und sie hilfreich unterstützen?

Das Verständnis für andere Menschen (Empathie, Mitgefühl) beruht auf mehreren Mechanismen. Einer davon ist die Fähigkeit, die Sichtweise (Perspektive) anderer Personen zu übernehmen (kognitive Empathie, Theory of Mind). Siehe dazu das Kapitel zur „Perspektivenübernahme“. Eine andere, biologisch ältere Funktion ermöglicht eine Gefühls-Spiegelung (Mitgefühl im engeren Sinn, emotionale Empathie). Im sozialen Miteinander hilft Empathie nicht nur den jeweils anderen Menschen, sondern im Gegenzug auch jedem Einzelnen. Insofern unterstützt Empathie Kooperation und dient somit nicht zuletzt auch der Erreichung eigener Ziele. Weiterlesen

Handeln

Wie steuert unser Gehirn unsere Handlungen? Welche Hindernisse können beim Handeln auftreten und wie sollte man diesen Hindernissen umgehen?

Man versteht unter Handeln ein zielgerichtetes Tätigwerden. Dem menschlichen Handeln wird unterstellt, dass die Wahl des Ziels oder der Mittel, der Entschluss oder die Durchführung zumindest teilweise bewusst erfolgt. Wichtige Momente des Handelns sind der Beginn einer Handlung, ihre Durchführung und die Beendigung der Handlung.

Start einer Handlung

Den Zeitpunkt des Beginns einer Handlung kann man nach unterschiedlichen Kriterien festlegen. In häufig wiederholten Experimenten hat man festgestellt, dass die motorische Bereitschaft, eine geplante Handlung in eine Tätigkeit umzusetzen, Weiterlesen

Sprachverständnis

Wie ermöglicht das Gehirn Sprachverständnis? Wie sind Sprache und Denken miteinander verknüpft?

Umfang und Einsatzmöglichkeiten der menschlichen Sprache übersteigen in vielfacher Hinsicht die Möglichkeiten der Kommunikation von Tieren. Dennoch hat die menschliche Sprachfähigkeit biologische Wurzeln. Aus der Sicht der Gehirnforschung steht im Vordergrund, dass die Sprachfunktionen schwerpunktmäßig in ganz bestimmten Orten des Gehirns verankert sind.

Unter der Lateralisierung der Sprachfunktionen versteht man den Befund, dass Sprachfunktionen häufig dann defizitär werden, wenn es zu Verletzungen (Infarkt, Tumor) auf der linken Gehirnhälfte kommt. Die Leistungsunterschiede zwischen den Gehirnhälften (Hemisphären) kommen dadurch zustande, dass die Großhirnrinde, also die gewundene Oberfläche des Gehirns, links mehr Nervenzellen besitzt als rechts, wo es geringfügig mehr Fasern gibt. Vereinfacht gesprochen, können dadurch links mehr Einzelfakten (Kategorien, Symbole und eben auch sprachliche Zeichen) gespeichert werden. Weiterlesen

Problemlösen

Wie löst unser Gehirn Probleme? Gibt es eine spezielle Problemlösefähigkeit? Inwieweit lassen sich Erkenntnisse der Hirnforschung beim Problemlösen berücksichtigen?

Es gibt Ziele, die nicht durch eine einzige Handlung, sondern erst durch eine geeignete Wahl von mehreren Schritten zu erreichen sind. Die Vorgehensweise, die richtigen Schritte zu finden und auszuführen, nennt man Problemlösen. In der Regel geht man dafür aus, dass man zum Lösen eines Problems gewisse einschlägige Kenntnisse besitzen muss und darüber hinaus einige Fähigkeiten im Denken, die erlauben, vorhandene Kenntnisse geeignet einzusetzen. Einzelne Komponenten davon können mit Hilfe von Intelligenztests geprüft werden. Weiterlesen

Planen

Wie plant unser Gehirn Handlungen? Gibt es Erkenntnisse aus der Hirnforschung, die man beim Planen berücksichtigen kann?

Gedankliches Planen, Planhandlungen und die Konstruktion von Modellen gehört zu den wichtigsten menschlichen Fähigkeiten. Auch ein Handeln auf Grund von Versuch und Irrtum sieht man heute als Spezialfall einer Planhandlung an. Ausgangspunkt für das Planen sind Erfahrungen, die man in ähnlichen Situationen gemacht hat und die für die konkrete, neue Situation zusammengeführt und angepasst werden müssen. Die auf diese Weise beschriebenen Voraussetzungen treffen für jede zielgerichtete Tätigkeit zu. Das klassische Beispiel dazu ist der Vorsatz, einen Nagel einzuschlagen. Auch wenn dieses Beispiel sehr einfach erscheint, so kann man hieran die wichtigsten Komponenten der Planung studieren. Weiterlesen

Bewertungen

Wie entstehen nachhaltige Bewertungen im Gehirn? Was ist das Bauchgefühl und kann man lernen besser zu bewerten?

Bewertungen sind Schätzungen darüber, welche Nützlichkeit einem Gegenstand oder einer Eigenschaft im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel zugeschrieben wird. Was richtig und falsch ist, was kurzsichtig oder nachhaltig ist, zeigt meist erst viel später der Erfolg. Um einen möglichen Erfolg durch nachhaltige Bewertungen vorherzusehen, braucht es viel Erfahrung. Die muss man selbst im eigenen Leben erwerben oder von anderen lernen. Manchmal verlassen sich jedoch Menschen auf ihr Bauchgefühl. Weiterlesen

Erster Eindruck

Ein erster Eindruck von Menschen oder Dingen entsteht im Gehirn nach wenigen Sekunden – Warum ist das so und stimmt dieser erste Eindruck?

Ein erster Eindruck über eine Person entsteht bereits nach den ersten Wahrnehmungen (siehe Wahrnehmung). Im weiteren Verlauf werden oft Informationen, die den ersten Eindruck bestätigen, sogar bevorzugt. Daher heißt es: Mache einen guten ersten Eindruck, wenn du dich irgendwo vorstellst. Doch lassen sich Menschen tatsächlich von einem oberflächlichen Eindruck über die Äußerlichkeiten blenden? Erstaunlicherweise verfügt unser Gehirn tatsächlich über sehr große Areale, die auf der Basis kleinster Details bereits Hochrechnungen über weitergehende Eigenschaften vornehmen (siehe Gedächtnis). Vertrautheit und Vertrauenswürdigkeit sowie Dominanz werden anderen Personen innerhalb von Zehntelsekunden auf den ersten Blick zugeschrieben. Weiter Informationen über die rasche, erste Verarbeitung visueller Eindrücke finden Sie im Video über Netzwerkaktivitäten im Kapitel über „Denken braucht Zeit“.

Offenbar sind solche erste Annahmen bei Tieren überlebenswichtig. Menschen müssen erst lernen, zwischen Glauben und Aberglauben, zwischen Urteil und Vorurteil zu unterscheiden. Weiterlesen