Bewertungen

Wie entstehen nachhaltige Bewertungen im Gehirn? Was ist das Bauchgefühl und kann man lernen besser zu bewerten?

Bewertungen sind Schätzungen darüber, welche Nützlichkeit einem Gegenstand oder einer Eigenschaft im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel zugeschrieben wird. Was richtig und falsch ist, was kurzsichtig oder nachhaltig ist, zeigt meist erst viel später der Erfolg. Um einen möglichen Erfolg durch nachhaltige Bewertungen vorherzusehen, braucht es viel Erfahrung. Die muss man selbst im eigenen Leben erwerben oder von anderen lernen. Manchmal verlassen sich jedoch Menschen auf ihr Bauchgefühl. Was versteht man unter Bauchgefühl und kann es unter Umständen wirklich nützlich sein? Jedenfalls ist ein solches Bauchgefühl oft eine Richtschnur für scheinbar nachhaltige, nämlich logische oder moralische Bewertungen. Nun kann man unter „Bauchgefühl“ verschiedene Mechanismen verstehen. Viele Formen gefühlsgeleiteter Handlungen entstehen aus Übermut oder Zuneigung. Andere   Handlungen sind durch Ängstlichkeit bestimmt. Handlungsleitende Gefühle können selbstverständlich für verschiedene Menschen und je nach Bereich völlig unterschiedlich ausgeprägt sein (siehe Motivation). Schließlich sprechen manche Menschen auch von Bauchgefühl, wenn sie mit einer Situation nicht gut umgehen können und sich trotz mangelhaftem Wissen oder Können auf eine komplizierte Sache einlassen (s. Forschungsliteratur). Das „echte“ Bauchgefühl basiert jedoch auf einem Bewertungsmechanismus, den uns die Natur mitgegeben hat, um in Situationen minimaler Informiertheit überhaupt handlungsfähig zu bleiben. Es funktioniert zum Beispiel, wenn man mit einer anderen Person verhandelt und schließlich in einem nicht gut übersehbaren Problemfeld einen Kompromiss schließt und bei dem man das Gefühl hat, dass beide Seiten damit gut leben können. Faule Kompromisse schlagen sich dagegen beinahe im Wortsinn auf den Magen. Nachhaltig ist eine Bewertung dann, wenn sie sorgfältig im Hinblick auf Randbedingungen und mögliche Nebenwirkungen, sowie auf die langfristigen Konsequenzen geprüft wurde. Nachhaltige Entscheidungen erfordern eine umsichtige Kontrolle oder eine Berücksichtigung von bewährten moralischen Maßstäben. Hören Sie sich eine Audio-Datei an über unbewusste Bewertungen, die wir unseren Entscheidungen jenseits rationaler Überlegungen zugrunde legen:

 

Moralisches Denken

Moral besteht aus Regeln, die für alle Beteiligten ein zufriedenstellendes Sozialverhalten darstellen. Moral ist keineswegs eine Erfindung von Philosophen. Vielmehr gibt es in den Netzwerken des Gehirns beim Nachdenken über soziale Situationen stets einen Selbstbezug, der Alarm schlägt, wenn anderen Menschen Schaden zugefügt wird (s. Forschungsliteratur). Freilich kann dieser Mechanismus auch verkümmern oder außer Kraft gesetzt werden. Oder es kann zu falschem Alarm kommen, wenn man selbst sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat. Der Selbstbezug entsteht auf der Grundlage von sogenannten somatischen Markern.

Die Marker erinnern uns beim Anblick von menschlichem Leid daran, was wir spüren würden, wenn uns das Beobachtete selbst widerfahren würde. Man kann jedoch auf der Grundlage der angeborenen Mechanismen auch lernen, vorsorglich Schäden für andere – und damit im Zweifel auch für sich selbst – zu verhindern.

Buchempfehlungen:

buch2_klugheit
Mehr über „kluge“ Bewertungen aus Sicht der Hirnforschung.

 

buch1_warum_ich_weiss
Mehr über das Entstehen von moralischen Gedanken im Gehirn.

 


Hier erfahren Sie Einzelheiten zu den neurologischen Grundlagen von Emotionen und Moral.

 

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